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PfeilTibor Károlyi
 

Judit Polgar

The Princess of Chess


Rezensionen
Katalog englische Flagge

The chess world acknowledges that Judit Polgar is unique. She is the only woman able to compete on equal terms with the world's best grandmasters. In this book, Tibor Károlyi analyses in depth a large selection of Judit's exciting games, featuring wins against the leading contemporary chess players, including Garry Kasparov. Taken from all stages of her career, the games are filled to the brim with neat tactics and attacks on the king.

The book covers Judit's early childhood when her father and two sisters all contributed greatly to the development of her chess skills. Polgar ist the product of a family driven by chess, and from an early age she was groomed for success. Having trained both of Judit´s sisters, Zsuzsa and Sofia, the author experienced first-hand the parent´s innovative methods of education and their creation of a world-class chess grandmaster.

Judit Polgar rangiert seit Anfang 1989 auf Platz eins der Frauenweltrangliste und schaffte es Anfang 2004 - nach 1996 - er­neut unter die Topten der Herren. Wie wür­digt man eine noch junge Ausnahme­erscheinung in ihrem Metier? Zeitgleich mit einer ersten längeren, baby­bedingten Schaffenspause befassen sich zwei Bücher mit der 28-jährigen Budapesterin. Die Fotografin Bettina Flitner stellt die Jüngste aus dem Schwes­tern-Clan als europäische "Frau mit Visi­on" vor, während der ungarische IM Tibor Karolyi. der Judits Schwestern Zsuzsa und Sofia in frühen Jahren trainierte, anhand von 89 tiefgründig analysierten Partien einen Überblick über 20 Jahre Schach­wirken liefert. So unterschiedlich die Mit­tel der Betrachtung, so ähnlich die Betrachtungsweisen. Man beleuchtet und durchleuchtet, indem man versucht, einerseits die Person selbst agieren zu las­sen (im Bild Nuancen des Selbstverständ­nisses in Gesichtsausdrücke zu bannen, in den Partien typische Spielanlagen zu zei­gen), andererseits die Person losgelöst vom gewohnten Umfeld darzustellen (Bilder an unvermuteten, trotzdem symbolträchtigen Orten, Partien - zwar chronologisch - doch ohne Bezug zur Turniergeschichte eher als geschlossene Bausteine eines überdurch­schnittlichen Könnens). Bettina Flitner präsentiert ihre 48 Frauen aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Sport mit dem Konzept des Doppelporträts, d. h. es gibt immer ein schwarzweißes Bild, welches nur das Gesicht zeigt. Hier bildet sich die Spanne der "Augen als Spiegel der Seele" ab - das Schwarz-Weiß verstärkt zudem das ruhige Moment, wo lebendige Farben eher interpretierende Wirkungen erzielen. In gestellten Situationen tauchen hintergründige Zusammenhänge auf (so wird z. B. die französische Astronautin Claudie Haignere im Weltraumanzug in ein Ginsterfeld gestellt, wobei die Pflanze eine der ersten Vegetationen auf der Erde war, oder die österreichische Komponistin Olga Neuwirth sitzt in einer Berliner U-Bahnstation, wo die zufällige Geräuschkulisse großstädtischer Betriebsamkeit regiert). Judith Polgar, die im März 2002 in ihrem Sommerhaus in der Nähe der ungarischen Hauptstadt abgelichtet wurde, trägt facettenreiche Gesichter: einen offenen Geradeausblick, den ein Hauch Pokerface umspielt, geschlossene Augen, die den­noch keinen meditativen Ruhezustand spiegeln, sondern das Kopfticken über die nächste Variante, und das zielstrebige Fixieren vor dem Schachbrett mit durchdringen­der Vorahnung einer siegrei­chen Wendung. Kurze biogra­phische Texte von Alice Schwarzer skiz­zieren mit knappen Sätzen Zielsetzungen der Betroffenen, aber gerade im Fall der Schach­spielerin gab es schlechte "Flüsterer": die ehemalige Weltmeisterin Zsusza Polgar als "Beste der ungarischen Frauenliga" zu bezeichnen ist ebenso verfehlt, wie die Klamot­te eines heran­wachsenden Bobby Fischer von Anfang der 60er Jahre rauszukramen, der jeder Frau einen Springer vorge­ben wollte. Trotz dieser Schönheitsfeh­ler ein sehens-und schenkenswerter Band, dessen Bildwir­kungen in größeren Aufnahmen bis Anfang Januar 2005 im Berliner Museum für Kom­munikation, zugleich ein Tipp für Archi­tektur- und Technikfreunde, gezeigt wer­den.

Wo die Fotografin (mehr unter www.bettinaflitner.de) versucht, Gefühls­lagen eine Abbildung zu geben, nimmt sich Karolyi ganz zurück. Er glaubt, dass die Persönlichkeit wenig Einfluss auf das Schaffen hat: "Ist es wirklich wichtig, ob Homer, Mozart, Napoleon, Chaplin, Shakespeare, Newton oder Carl Lewis nett oder arrogant, schwache oder gutherzige Menschen waren oder was sie motivierte: Ruhm, Geld, Eitelkeit oder der Wunsch, ihrem Land zu dienen?" Zwar erzählt er vom pädagogischen Konzept des Vaters Laszlo, frühen Trainingstunden, dem All­tag im kommunistischen Ungarn oder phi­losophiert über Jungtalente und günstige bzw. ungünstige Rahmenbedingungen, aber dies fügt sich nicht zu einem Bild über den Werdegang und Karrierehöhen und -tiefen. Die Stärke der über 280 Seiten mit kleinem, platzfüllenden Druck sind schlicht die Partien (nur fünf Partien davon keine Königsbauereröffnungen!). Der Schwerpunkt liegt auf Mittelspiel­stellungen, wo der Autor seinen Trainer-

blick mit methodischen Erklärungen besonders entfaltet. Aber auch pikante Endspiele - frei nach dem Motto "weniger Steine, mehr Probleme" - gibt es.

Rein schachlich bietet Károlyi eine solide Standortbestimmung bis 2003.

Harald Fietz, Schachmagazin 64 24/2004

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Ihre zahlreichen Opfer sehen sie als Tiger auf der Jagd, der die kleinste Gelegenheit ergreift, um tödlich zuzuschlagen. Ihre Großmeisterkol­legen sehen sie als alten Hasen, der alle Tricks beherrscht. Aber für Legionen von Fans bleibt Judit Polgar die Schachprinzessin, die der Welt des Schachs Charme und Würde verleiht. Dieses Buch ist eine Sammlung von 89 ausführ­lich kommentierten Partien und ausgewählten Stellungen, die Judits Laufbahn von der Kind­heit bis zur Gegenwart (1984-2003) nachvoll­ziehen. Das Verzeichnis ihrer Gegner liest sich wie ein Who is Who des modernen Schachs: Kasparow, Anand, Schirow, Iwantschuk, Karpow und Spasski sind nur die prominentesten Namen. Lediglich Kramnik und Leko fehlen auf dieser Liste.

Der Autor, IM Tibor Kärolyi, ist ehemaliger ungarischer Meister, Schachautor und -Trainer. Seit zwanzig Jahren verfolgt er den bemerkens­werten Aufstieg der Polgar-Schwestern, eine Zeit lang sogar aus nächster Nähe: in den 80er Jahren trainierte er Judits Schwestern, Zsusza und Sofia.

Dennoch hat Kärolyi beim Schreiben des Buches darauf verzichtet, Kontakt zu Judit Polgar aufzunehmen - was ein paar interessante Fragen aufwirft. Er selbst erklärt: "Ich habe immer gerne mit ihr geredet. Aber wenn ich ihre Partien analysiere, versuche ich auszublenden, dass ich sie persönlich kenne." Tatsächlich hat Kärolyi jede Partie einer eigenen gründlichen Analyse unterzogen, aber dennoch wirkt diese Erklärung alles andere als überzeu­gend. Und bei allem Lob, das Kärolyi dem Mut und der Entschlossenheit der Eltern Judit Polgars spendet, steht er ihnen doch kritisch gegenüber. Er deutet an, dass sie andere unga­rische Schachspieler durch das aggressive Voran­treiben der Karrieren ihrer Töchter vor den Kopf gestoßen haben. Auch hätten die frühen Trainer der Geschwister Polgar nicht die (finan­zielle) Anerkennung erhalten, die sie verdienen. Das Buch enthält zahlreiche biographische Details. Reizend ist besonders die Erzählung, wie Judit ihrem späteren Mann Gusztav Font kennengelernt hat, als sie mit ihrem Hund zum Tierarzt - Gusztav Fonts Beruf - ging. Was mit dem Hund geschah, bleibt auch weiter ein Geheimnis, aber Judit und Gusztav haben sich bei diesem Treffen zum Schachspielen verab­redet. Der Beginn einer Romanze, die schließ­lich zu ihrer Heirat im Jahre 2000 führte. Von Judit Polgar kann noch viel erwartet werden, die Dinge laufen gut für sie: Obwohl ihre bevorstehende Mutterschaft dazu führen könnte, dass sie sich zeitweilig vom Turnier­schach zurückziehen muss, hat sie einen verständnisvollen Mann, der ihre Karriere unterstützt, sie zu Turnieren begleitet und für moralische Unterstützung sorgt. Als Appetitanreger zeigt die folgende Partie einen wunderbaren Schlagabtausch zweier be­gnadeter Taktiker.

SCHIROW - JUDIT POLGAR

Buenos Aires 1994

1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sc6 5.Sc3 d6 6.g4 Eine interessante Version des Keres-Angriffs. 6...a6 7.Le3 Sge7 8.Sb3b5 9.F4 Lb7 10.Df3 g5! Judit opfert einen Bauern, um das Feld e5 unter Kontrolle zu bekommen - ihre Lösung der Entwicklung des Königsflügels. 11.fxg5 Se5 12.Dg2 Nicht 12.De2 b4 13.Sa4 Lc6 14.Sb6 Lxe4 12...b4 13.Se2 Falls 13.Sa4 Sd5!? (Judits Vorschlag) 14.Ld2 (14.exd5 Lxd5 15.Dg1?? Sf3+) 14...Tc8 15.De2 Dd7 16.exd5 Dxa4 17.Lg2 Txc2. Oder 13.Sd1 Tc8 14.a3 (14.c3? Sd5!) 14...S7g6 15.h4 (15.axb4?? Sh4 mit Gewinn) 15...bxa3 16.Txa3 d5 17.Txa6 mit komplizierter Stellung. 13...h5 14.gxh5? Dazu hat Weiß einfach keine Zeit. Aber auch nach 14.gxh6?! f5 15.gxf5 Sxf5 16.Lf2 Sh4 steht Schwarz sehr gut. Schirow empfiehlt 14.0-0-0!?, und das ist sicherlich besser. Jetzt empfiehlt Kärolyi 14...hxg4 15.Sg3 (15.Sc5? Lc6 16.Sd3 S7g6 17.Sd4 Lb7) 15...Dc7 16.Dd2 Tc8 mit komplizierter Stellung. 14...Sf5 15.Lf2 Dxg5 16.Sa5 Weiß muss in den sauren Apfel beißen und zwischen einer Reihe von Übeln wählen: I . 1 6.Dxg5? Sf3+ 17.Kd1 Sxg5 18.exf5 Lxh1; II. 1 6.Sbd4 Dh6 17.Sxf5 exf5 18.Dh3 fxe4 19.Sd4; III. I6.h4 Dh6 17.Th3 Sc4 16...Se3 17.Dg3 Erzwungen. 17.Dxg5?? Sf3#. Oder 17.Lxe3 Dxe3 18.Sxb7 Sf3+ mit Gewinn. 17...Dxg3 18.Sxg3 Sxc2+ 19.Kd1 Sxa1 20.Sxb7 b3 21.axb3 Sxb3 22.Kc2 Sc5 23.Sxc5 dxc5 24.Le1 Sf3 25.Lc3 Sd4+ 26.Kd3 Ld6 27.Lg2 Le5 28.Kc4 Ke7 29.Ta1 Sc6 0-1 Wärmstens empfohlen.

Zeitschrift Karl 02/2004

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Dies ist gewiß nicht die Glamourbiographie, die Judit Polgar, wenn noch nicht jetzt, dann irgendwann ein­mal verdient hätte - kleines Format, es fehlen Fotos und Interviews, Layout und Druck sind allenfalls als durchschnittlich zu bezeichnen. Dafür bietet das Werk gute Partiebesprechungen und einen Autor, der ungeachtet seines früher intensiven Umgangs mit der Familie Polgar (als Trainer hat er übrigens haupt­sächlich mit Zsuzsa gearbeitet) stets die kritische Distanz wahrt. Karolyi weiß allerlei Storys aus dem ungarischen Verband, dessen Umgang mit Talenten sowie der "frühen" Zeit der Polgars zu erzählen. Einblicke gibt es auch in die Verhältnisse innerhalb der Familie, wie etwa Judit ihren älteren Schwestern die ,,Last der Verantwortung" als Aushängeschild der Familie abnahm, über die (wechselnde) Motiva­tion der Mädchen bzw. jungen Damen das Training betreffend u.v.a.m. Melancholie schimmert mitunter bei des Autors eigenen Rückblick auf sein Lebens­werk als Trainer durch.

Ein unterschätztes Buch, weit entfernt von der übli­chen Sensationshascherei mit bekannten Namen.

Schach 02/2005




Preis: 
 
Artikelnummer:
LXKARJP
 
Kategorie:
PfeilPartiensammlungen
  PfeilBiographien
 
Sprache:
Englisch
 
Verlag:
PfeilBatsford Chess
 
ISBN-10:
0713488905
 
ISBN-13:
 
Breite: 
13,7 cm
 
Höhe: 
21,5 cm
 
Gewicht: 
0,370 kg
 
Dieses Bild zeigt Judit Polgar: vergriffen, Hersteller: Batsford Chess, Preis: 24.95 €
288 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2004.
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