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Meine besten Kämpfe (signiertes Exemplar)

Aktualisierte Jubiläumsausgabe


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Rezensionen englische Flagge

Viktor Kortschnoi zählt sicher zu den größten Persönlichkeiten der Schachgeschichte. Seit fast 60 Jahren ist seine aggressive Spielweise gefürchtet, und für viele Schachfreunde ist Viktor Kortschnoi Vorbild.

Diese aktualisierte und erweiterte Jubiläumsausgabe erscheint anläßlich seines 80. Geburtstages am 23. März 2011.

009 Vorwort des Autors

010 Geleitwort von Genna Sosonko

Partien mit Weiß

015 1 Kamischow, Tschigorin-Memorial, Leningrad 1951

018 2 Suetin, UdSSR-Mannschaftsmeisterschaft, Leningrad 1953

022 3 Geller, 21. UdSSR-Meisterschaft, Kiew 1954

025 4 Tschechower, Meisterschaft von Leningrad 1955

029 5 Ivkov, Hastings 1955/56

031 6 Karaklajic, Match UdSSR - Jugoslawien, Kiew 1959

034 7 Sacharow, 27. UdSSR-Meisterschaft, Halbfinale, Tscheljabinsk 1959

037 8 Gligoric, Buenos Aires 1960

040 9 Botwinnik, Match Leningrad - Moskau 1960

044 10 Filip, Interzonenturnier, Stockholm 1962

048 11 Tal, 30. UdSSR-Meisterschaft, Jerewan 1962

054 12 Robatsch, Havanna 1963

057 13 Udovcic, Leningrad 1967

060 14 Tal, Wijk aan Zee 1968

064 15 Reshevsky, Kandidatenviertelfinale, Amsterdam 1968

067 16 Balaschow, Moskau 1971

069 17 Karpow, Hastings 1971-72

072 18 Hübner, Interzonenturnier, Leningrad 1973

076 19 Mecking, Kandidatenviertelfinale, 7. Partie, Augusta 1974

080 20 Karpow, Kandidatenfinale, 21. Partie, Moskau 1974

082 21 Petrosjan, Aljechin-Gedenkturnier, Moskau 1975

088 22 Polugajewski, Kandidatenhalbfinale, 7. Partie, Evian 1977

091 23 Spasski, Kandidatenfinale, 7. Partie, Belgrad 1977

094 24 Karpow, 21. WM-Partie, Baguio City 1978

100 25 Ljubojevic, London 1980

103 26 Jussupow, Lone Pine 1981

108 27 Hübner, Johannesburg 1981

111 28 Portisch, Kandidatenmatch, 3. Partie, Bad Kissingen 1983

115 29 Miles, Wijk aan Zee 1984

118 30 Polugajewski, UdSSR - Rest der Welt, London 1984

122 31 Hort, Biel 1984

125 32 Panno, Mannschafts-WM, Luzern 1985

130 33 Seirawan, Lugano-Open 1986

135 34 Nogueiras, Wijk aan Zee 1987

140 35 Arnason, Beer Sheva 1987

145 36 Pinter, Beer Sheva 1988

149 37 Timman, Weltcupturnier Brüssel 1988

152 38 Waganjan, Weltcupturnier Skelleftea 1989

156 39 Greenfeld, Beer Sheva 1990

160 40 Short, Rotterdam 1990

166 41 M. Gurewitsch, Rotterdam 1990

170 42 Schirow, Buenos Aires 1993

174 43 Nijboer, Niederländische Liga, 1993

177 44 Onischuk, Wijk aan Zee 1997

180 45 Swidler, St. Petersburg 1997

183 46 Bacrot, Freundschafts-Match, 4. Partie, Albert 1997

187 47 Ponomarjow, Veteranen gegen Talente, Cannes 1998

191 48 Piket, Sarajevo 1998

197 49 Lputjan, Sarajevo 1998

201 50 Kozul, Sarajevo 1998

205 51 Dolmatow, FIDE-Weltmeisterschaft, Las Vegas 1999

208 52 G. Georgadse, Europäische Mannschaftsmeisterschaft, Batumi 1999

211 53 Smirnow, Europameisterschaft Ohrid 2001

214 54 Kotsur, Schacholympiade Bled 2002

218 55 Gretarsson, Reykjavik 2003

Partien mit Schwarz

221 56 Taimanow, Leningrader Meisterschaft 1950

224 57 Smyslow, 20. UdSSR-Meisterschaft Moskau 1952

228 58 Filip, Bukarest 1954

231 59 Krogius, 25. UdSSR-Meisterschaft Riga 1958

235 60 Polugajewski, 27. UdSSR-Meisterschaft Leningrad 1960

238 61 Geller, 27. UdSSR-Meisterschaft Leningrad 1960

242 62 Simagin, Moskau 1960

245 63 Fischer, Kandidatenturnier Curacao 1962

248 64 Matanovic, Jugoslawien - UdSSR, Rijeka 1963

252 65 Trifunovic, Havanna 1963

255 66 Lein, 32. UdSSR-Meisterschaft Kiew 1964/65

259 67 Matanovic, Hamburg 1965

265 68 Awerbach, Jerewan 1965

268 69 Bronstein, Moskau 1971

274 70 Taimanow, Leningrader Meisterschaft 1973

278 71 Larsen, Interzonenturnier Leningrad 1973

282 72 Sawon, 41. UdSSR-Meisterschaft Moskau 1973

285 73 Planinc, Moskau 1975

288 74 Spasski, Kandidatenfinale, 18. Partie, Belgrad 1977

293 75 Hug, Zürich 1978

295 76 Andersson, Sao Paulo 1979

300 77 Bischoff, Lugano Open 1982

304 78 Torre, Schacholympiade Luzern 1982

308 79 Van der Sterren, Wijk aan Zee 1984

311 80 P. Nikolic, Wijk aan Zee 1984

315 81 Timman, Tilburg 1985

321 82 Nunn, Mannschaftsweltmeisterschaft Luzern 1985

324 83 Grünfeld, Brüssel 1985

327 84 Van der Wiel, Brüssel 1986

330 85 H. Olafsson, Reykjavik 1987

333 86 Larsen, Brüssel 1987

335 87 A. Sokolow, Tilburg 1987

339 88 Miles, Lugano Open 1989

343 89 De Firmian, Lugano Open 1989

347 90 Iwantschuk, Tilburg 1989

350 91 Ribli, Barcelona 1989

354 92 l. Sokolov, Barcelona 1992

359 93 Xu Jun, Interzonenturnier Biel 1993

364 94 Serper, PCA-WM-Qualifikation Groningen 1993

368 95 Lautier, Schweizer Nationalliga 1994

372 96 Karpow, Dortmund 1994

376 97 Gelfand, Horgen 1994

379 98 San Segundo, Madrid 1995

383 99 Curt Hansen, Malmö 1996

387 100 Kupreitschik, Münster Open 1996

391 101 Golubew, Münster Open 1996

395 102 Beljawski, Mannschafts-EM Pula 1997

399 103 Jepischin, Hamburg 1997

403 104 Kurajica, Sarajevo 1998

408 105 Lobron, Bad Homburg 1998

411 106 Gabriel, Zürich 1999

417 107 Lalic, Kalkutta 2000

420 108 Christiansen, Reykjavik 2000

425 109 Sasikiran, Schacholympiade Bled 2002

428 110 Stefansson, Reykjavik 2003

431 Verzeichnis der Eröffnungen

432 Verzeichnis der Spieler

KÄMPFERISCHE SIEGE

Vergeblich sucht man in der Historie einen Spieler, der über eine ähnliche Spielstärke wie Viktor Kortschnoi im Alter von über siebzig Jahren verfügte. Wie gut er heute noch spielt, sah man im Februar dieses Jahres in Gibraltar, als er das 19-jährige italienische Nachwuchs­talent Fabiano Caruana mit Schwarz besiegte - immerhin ein 2700er, der zur erweiterten Welt­spitze zählt. Dabei war der Leningrader ein Langsamstarter. Er hat zwar in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Schachgeschichte maßgeblich mitgeschrieben, seinen Zenit er­reichte er aber erst im relativ hohen Schachalter von Anfang vierzig, als er zweimal gegen Karpow um die WM spielte. Schon die erste Partie­analyse beginnt mit dem Worten "Ich war kein Wunderkind". Kortschnoi musste sich viel er­arbeiten, aber ohne großes Talent - daraufweist Sosonko im Geleitwort hin - wäre eine solche Spielstärke in diesem Alter undenkbar.

In diesem Jahr feiert dieses schachliche Ur­gestein seinen achtzigsten Geburtstag. Aus diesem Anlass hat Olms seine Partiensammlung, die schon vor zehn Jahren - damals allerdings in zwei Bänden - erschienen war, ergänzt um zehn neue Partien wiederaufgelegt.

Das schachliche Oeuvre Kortschnois ist natür­lich schon durch die enorme Lebenspanne gewaltig. Im Vorwort erklärt er, dass er die ins­gesamt HO präsentierten Glanzlichter aus einem Fundus von über 2000 gewonnen Partien ausgewählt hat. Wohl dem, der auf so viele Erfolge zurückschauen kann.

Bei der Auswahl dieser Sammlung war für Kortschnoi nicht vorwiegend die Qualität aus­schlaggebend. Einige seiner Perlen vermisst man. Im Vordergrund steht der Kampf und weniger der fehlerfreie Vortrag. Außerdem repräsentieren die Partien gleichmäßig alle Zeit­abschnitte seines Wirkens und bieten möglichst viele unterschiedliche Eröffnungen und Gegner. Einzig gegen Karpow und Polugajewski sind mehr als zwei Partien enthalten. Selbst Lieb­lingsgegner wie Tal oder Feinde wie Petrosjan sind nur mit einer Partie repräsentiert.

Die Kommentare Kortschnois gehen immer über die Geschehnisse auf dem Brett hinaus. Er gibt häufig Biographisches preis, widmet sich den Umständen der Partie, seinen Gegner oder seiner jeweiligen Lebenssituation. Rein schachlich versucht er stets die Pläne und Ideen ausführlich zu erklären. So wird jede Analyse zu einer kleinen Geschichte. Das ist originell und macht das Nachspielen dieser Partien sehr unterhaltsam. Wer allerdings mehr über Kortschnois Leben erfahren will, muss zur Biographie greifen, die ebenfalls bei Olms erschienen ist.

Gelegentlich wird auch deutlich, warum Kortschnoi nicht bei all seinen Kollegen beliebt ist. In der Partie gegen Bischoff nimmt er beispielsweise Bezug auf John Nunn. Eigentlich schrieb der Engländer recht wohlwollend, dass Kortschnoi eindrucksvoll demonstriert habe, wie man gegen schwächere Spieler, deren Spiel auf unentschieden ausgelegt ist, mit Schwarz gewinnt. Kortschnoi nutzt diese Steilvorlage, um alle Thesen Nunns, der damals schon zur erweiterten Weltspitze gehörte, zu widerlegen. Ihm fehle "ein Blick für Gefahren, die in strategisch angelegten Partien lauern." Zu einem Zug von Hübner heißt es, er sei typisch für dessen Nihilismus. Waganjan sei "ein Groß­meister mit enormen praktischen Fähigkeiten. Aber er ist mehr Künstler als Kämpfer. Und wie jeder Künstler hängt er von seiner Inspiration ab. Nur leuchtet einem die Inspiration nicht immer, wenn man sie braucht." Oder allgemein: "Bereits nach wenigen Zügen einer Partie lässt sich sagen, ob ein Spieler schachlich umfassend ausgebildet wurde, oder ob er hier und da in Partien mit erfahrenen Gegnern etwas aufge­schnappt hat. In der modernen Schachwelt ist bei der überwiegenden Mehrzahl der Spieler letzteres der Fall." Und einen eigenen zweifel­haften Zug kommentiert er mit Seitenhieb auf Kasparow: "[D]amals als der Weltmeister sein Schicksal mit erbärmlichen Königsindern ver­suchte, musste es auch einem kleineren Licht erlaubt sein, die heiligen Gesetze des Positions­spiels zu verletzen." Und: "Bent Larsen, dem die Partie sehr gefallen hat, schätzte die Stellung aber als gewonnen für Weiß ein. Anscheinend hat er das Wünschenswerte mit dem Wirklichen verwechselt." Diese Anmerkungen spiegeln recht gut den Charakter Kortschnois wieder. Etwas unglücklich ist die Bindung. Will man eine Partie nachspielen, muss man eigentlich den Rücken brechen, weil das Buch nicht aufge­schlagen liegen bleibt. Dies wird jedoch für die echten Schachliebhaber den Genuss dieses Buches, einem Leckerbissen von einem der ganz großen Spieler, nur peripher beeinträchtigen.

Mit freundlicher Genehmigung

Harry Schaack, KARL 1/2011

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Man kann diese Rezension nicht ohne ein paar würdigende Worte zu Viktor Kortschnoi beginnen, der in diesen Tagen seinen 80. Geburtstag feiert. Mehr als ein halbes Jahrhundert hat der charismatische Meister die Schachwelt geprägt.

Schon 1956 Großmeister geworden - damals gab es weltweit gerade 50 Titelträger -, gehörte er mehr als 30 Jahre lang zur absoluten Weltspitze. Viermal gewann er die Meisterschaft der Sowjetunion; sechsmal siegte der Jubilar mit der Nationalmannschaft bei der Schach-Olympiade; ab den 1970er-Jahren nahm Viktor Kortschnoi mehrmals Anlauf auf die Weltmeisterschaft, 1978 und 1981 unterlag er erst im WM-Kampf gegen seinen ewigen Rivalen Anatoli Karpow. Auch das Duell der beiden 1974 war praktisch schon ein WM-Kampf, der Sieger würde Weltmeister werden, da Bobby Fischers Rückzug vom Turnierschach absehbar war. Noch 1983 drang Kortschnoi in das Kandidaten-Halbfinale vor, wo er Kasparow unterlag - eine neue Schachgeneration hatte das Zepter übernommen.

Ist seine Bedeutung für das Weltschach kaum hoch genug einzuschätzen, so scheint dem Rezensenten die politische Bedeutung seiner Kämpfe am Schachbrett und außerhalb des Turniersaals noch wichtiger. Die Umstände der WM-Kämpfe sind in vielen Büchern geschildert worden, zuletzt in «Der KGB setzt matt», wozu Kortschnoi selbst ein aufschlussreiches Nachwort verfasste.

Kortschnois Emigration aus der Sowjetunion machte die Repressalien offenbar, unter denen unangepasste Persönlichkeiten wie er in der Diktatur zu leiden hatten.

Für Insider stehen in diesem Zusammenhang viele Namen im Raum: Sosonko, Gulko, Lein, Spasski ... Für die Schach-Öffentlichkeit ist die «lebende Legende» Viktor Kortschnoi eine Gallionsfigur für menschliche Stärke und Charakterfestigkeit.

Viktor Kortschnoi hat sich seine geistige Frische und enorme Spielstärke bis ins hohe Alter bewahrt. 2006 wurde er Senioren-Weltmeister, und sitzt bis zum heutigen Tage regelmäßig in den höchsten Ligen am Brett. Was er für das Schach in seiner Wahlheimat Schweiz getan und bewirkt hat, kann man wohl von «außen» nur schwer ermessen.

In der dortigen Nationalliga ereignete sich auch jene amüsante Geschichte, als er seinem Gegner mit den Worten «Ich bin Schachgroßmeister» (Video auf Youtube) die Aufgabe nahelegte. Jedem anderen Spieler hätte man dies als Unsportlichkeit vorgehalten. Einer Persönlichkeit vom Range Kortschnois wird es als nette Anekdote toleriert - auch ein Zeichen von Hochachtung der gesamten Schachwelt vor dem Achtzigährigen.

Wie würdigt man Kortschnoi zu diesem Jubiläum? Der Verlag «Edition Olms» hat sich für eine Neuauflage der Partiensammlung «Meine besten Kämpfe» entschieden. Gut zehn Jahre nach der Erstausgabe wurden die beiden Bände zu einem Gesamtwerk von 430 Seiten vereint. Diesem Ursprung ist übrigens die merkwürdige Aufteilung in «Partien mit Weiß» und «Partien mit Schwarz» geschuldet. Innerhalb der beiden Teile sind die je 55 Partien chronologisch sortiert. Das Cover verspricht eine «aktualisierte und erweiterte Jubiläumsausgabe». Die Erweiterung beschränkt sich allerdings auf zehn Partien und endet auch bereits 2003, nicht wirklich eine Aktualisierung also.

So werden uns nun 110 Partien präsentiert - ein kleiner Ausschnitt aus den fast 5'000 Kortschnoi-Partien in der marktbeherrschenden Datenbank, mit denen er laut «Wikipedia» den Rekord der meisten dokumentierten Schachpartien hält. Immerhin zwei Partien des Buches hat der Rezensent nicht in jener Datenbank gefunden: die Weißpartien von 1953 gegen Suetin und von 1955 gegen Tschechower.

Alle Partien sind vom Meister selbst kommentiert. Oft stellt er einige Bemerkungen zum Anlass des Spiels und Gedanken zum jeweiligen Gegner voran. Auch in den Kommentaren lässt er uns an seinem Denken Anteil nehmen, reflektiert seine Überlegungen und Berechnungen. Die rein schachlichen Kommentare konzentrieren sich auf das Wesentliche. Dort, wo Kortschnoi ausführlicher wird, hat er uns Wichtiges zu sagen, ergibt sich auch ein Lerneffekt, obwohl wir ja gewiss kein Lehrbuch vor uns haben. Der Leser wird ge- aber nicht überfordert. Angegebene Varianten haben immer das richtige Maß. Man spürt - bzw. erklärt es Kortschnoi an einer Stelle selbst -, dass die Varianten mit Computerhilfe geprüft sind. Dennoch kommt nie der Eindruck auf, der Autor habe sich vom Schachprogramm treiben lassen. Er setzt es souverän als Kontrollinstanz ein - nicht mehr und nicht weniger. Schmunzeln muss der Leser freilich über die Bemerkung zu einer Alternativ-Variante: «Mit einer solchen Stellung müsste man Deep Blue füttern, damit uns die Maschine sagt, wer besser steht.» - Selbstironie eines Genies und zugleich ein Zeitdokument; heute würde uns der Laptop die ersehnte Antwort geben.

Das Buch ist - wie immer bei Olms - typographisch angenehm gelungen. Übersichtliches Schriftbild und sinnvoll eingesetzte Diagramme machen es sehr gut lesbar. Das Geleitwort von Kortschnois Freund und Weggefährten Gennadi Sosonko gehört zu den weiteren Stärken des Buches.

«Wie würdigt man Kortschnoi zu diesem Jubiläum?» hatte ich weiter oben gefragt. Die Herausgabe seiner Partiensammlung war gewiss eine gute Idee - genau genommen wohl die zweitbeste ... Noch besser wäre seiner charismatischen Persönlichkeit eine (erweiterte) Neuauflage der Autobiographie «Mein Leben für das Schach» gerecht geworden. Aber das ist eben der Wunsch des Rezensenten. Vielleicht kann man ihn ja schon mal für Viktors nächsten runden Geburtstag notieren ...

Mit freundlicher Genehmigung

Thomas Binder, Glarean Magazin

http://glareanverlag.wordpress.com

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Am 23. März 2011 feierte Viktor Kortschnoi seinen 80. Geburtstag. Dies hat die Edition Olms zum Anlass genommen, die beiden vor 10 Jahren erschienenen Bücher "Meine besten Kämpfe, Bd. 1, Partien mit Weiss" und "Meine besten Kämpfe, Bd. 2, Partien mit Schwarz" in einem einzigen Band neu herauszugeben. Dieser Jubiläumsband wurde gegenüber den beiden Ursprungswerken um 10 Partien erweitert, die bis ins Jahr 2003 hinein gespielt worden sind, und ist das Ergebnis einer sorgfältigen Überarbeitung, worauf der Herausgeber aufmerksam macht.

Ich habe selten eine so spannende, unterhaltsame, lehrreiche und ausdrucksstarke Partiensammlung wie diese in den Händen gehabt. Die beiden Ursprungsbände kannte ich nicht, so dass dieser Gesamtband Neuland für mich war.

Schon der Buchtitel ist außergewöhnlich und für Viktor Kortschnoi auch Programm: "Meine besten Kämpfe" und nicht etwa "Meine besten Partien". Und mehr als 2000 seiner "Kämpfe" hat Kortschnoi gewonnen. Seine Auswahl für diese Sammlung hat er, in dieser Reihenfolge, nach folgenden Kriterien getroffen:

1. Verteilung der Auswahlpartien über den Lauf seiner gesamten Karriere hinweg.

2. Repräsentation aller vier Generationen von Gegnern und möglichst viele Gegner aus jeder Generation.

3. Möglichst abwechslungsreiche Eröffnungen und Stellungen.

4. Qualität der Partien.

Als äußerst bemerkenswert empfinde ich die folgende Passage in seinem Vorwort: "Noch etwas: Schach ist mein Leben. Diese Partien sind Bruchstücke aus meinem Leben. Und naturgemäß wollte ich mit jedem dieser Bruchstücke den Liebhabern des Spiels etwas mitteilen. Wenn eine Partie keine Gelegenheit bot, dem Leser etwas zu offenbaren, habe ich sie nicht aufgenommen, gleichgültig wie gut sie auch war." Dies hat er eingehalten, mit Brillanz!

Beeindruckend sind auch zwei Zitate aus dem exzellenten Geleitwort von Genna Sosonko. Danach Viktor Kortschnoi 1998 in Tilburg zu jungen Großmeistern: "Warum hast du diese Stellung nicht weitergespielt? Du hattest doch Chancen. Gefährlich? Du solltest besser mit Schach aufhören, wenn es Dir zu gefährlich ist" oder "Und nun zu Dir: Schämst du dich nicht, mit Weiß nach einer halben Stunde gegen Anand Remis zu machen? Ist es nicht interessant, gegen Anand zu spielen? Hast du etwa jeden Tag die Chance, gegen ihn zu spielen?"

Im Stil dieser Zitate sind auch die Partien im Buch. Den Anfang machen jene, in denen Kortschnoi Weiß hatte.

Nach der Arbeit mit diesem Buch, das mich so gefesselt hat, dass ich es kaum aus der Hand legen mochte, behaupte ich klipp und klar: Wer dieses Werk durcharbeitet, wird nicht nur bestens unterhalten, er wird ein besserer Schachspieler. Es ist ungemein spannend, was Kortschnoi zu den meisten Partien "begleitend" beizutragen hat. Mal sind es Dinge über den Gegner, dann wieder geht es um politische Ränkespiele und in anderen Fällen wiederum um Turniertaktik oder sonst etwas. Man kann sich dieses Buch auch vornehmen, wenn man es denn so will, und Seite für Seite lesen, ohne auch nur eine einzige Schachfigur in Gedanken oder auf einem Brett zu bewegen. Ehrlich und freimütig, entlarvend und manchmal auch ein wenig frech, zumindest bissig, sind seine Kommentare.

Das Wesentliche einer Partiensammlung sind natürlich die Partien selbst. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass Schach eigentlich äußerst einfach sein muss, wenn ich seine klaren, logischen und bestens nachvollziehbaren Kommentare gelesen habe. Worin liegt die Idee der Slawischen Verteidigung? Kortschnoi

beschreibt sie und zeigt auf, wie sie dem entsprechend zu spielen ist. Wie hätte Schwarz mit einem taktischen Manöver in dieser Stellung einen Bauern gewinnen können? Kortschnoi demonstriert es. Warum hat sich das Bild für Weiß zum Nachteil gewendet? Weil hier das Läuferpaar wenig nützt, die Stellung zahlreiche Schwächen aufweist und der König auf der f-Linie zur Zielscheibe wird.

Es wären unzählige dieser Beispiele dafür möglich, wie Kortschnoi in das strategische und taktische Wesen der Partie eindringt und den Leser an seinem Verständnis Teilhabe nehmen lässt, ihn einweiht.

Ich hoffe, dass meine Begeisterung für "Meine besten Kämpfe" auch in dem begrenzten Raum, den die Fernschachpost bieten kann, gut herüber kommt! Für mich ist das Werk ein Leuchtturm unter den Schachbüchern - dies meine ich generell, nicht allein auf Partiensammlungen bezogen.

Mit freundlicher Genehmigung

Uwe Bekemann, Fernschachpost 3/2011

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Diese aktualisierte und erweiterte Jubiläumsausgabe (vor einem Jahrzehnt veröffentlichte der OLMS-Verlag bereits eine zweibändige Reihe mit Kortschnois besten Partien) vereint 110 sorgfältig kommentierte Partien von Großmeister Viktor Kortschnoi aus dem Zeitraum 1951 bis 2003. Nach einem sehr lesenswerten Vorwort von GM Sosonko übernimmt der Altmeister das Zepter und führt den Leser durch viele bewegende Jahrzehnte seines schachlichen Wirkens. Viktor Kortschnoi lebt und liebt das Schach wie kein Zweiter, seine Kommentare und seine Partien sind Pflichtlektüre für nachfolgende Schachgenerationen. Das 432 Seiten dicke Werk bietet umfangreiches Schachwissen und Schachkultur aus mehr als 50 Jahren großmeisterlichen Schachs!

Mir hat das Buch sehr gut gefallen wegen der Art der Kommentierung (Alte Schule!), der exzellenten Analysen und der ausgewählten Partien. Eine umfangreicher Index zu Gegnern und Eröffnungen sowie auch der äußere Eindruck runden das durchweg positive Bild harmonisch ab.

Klare Kaufempfehlung!

Mit freundlicher Genehmigung

Martin Rieger, Rochade Europa

On the 23 of March, Viktor Korchnoi will become 80 and therefore Olms has updated and expanded Kortchnoi's 'My Best Games' volume 1&2 from 2001, into this lovely printed one volume eye catching anniversary edition.

Altogether there are 110 excellent analysed games and that means that this new update is good for ten extra Korchnoi games and of course all very readable analysed by the great Viktor Korchnoi himself.

It is not for nothing that the British Chess federation rewarded the book 'Viktor Korchnoi - My Best Games with white' as best book of the year.

Korchnoi, born 23 march 1931, has been one of the world's leading players for nearly half a century. This man is known for his intensive fighting spirit but he is also the greatest player who never managed to win the World Championship.

The book covers his whole chess career starting with his 1951 game against Kamyshov, and the last game in this book holds the game Stefansson - Kortschnoi, Reykjavik 2003.

All games are covered with an introduction text as the following one, extra included for this anniversary print, against the former chess prodigy Henrique Mecking:

Henrique Mecking and the central game of the 1974 match

One of the wonders of chess history was the appearance in the chess arena in the mid-20th century of a young Brazilian, who in a few years acquired sufficient strength and experience to fight for the title of world champion. In Brazil, a country famous for its football but with a lack of chess traditions, there emerged a youngster who at the age of 13 scored 50% in a very strong grandmaster tournament, the so-called 'Interzonal' in Sousse in 1967. The youngster did not rest on his laurels, and in 1973 he won the Interzonal Tournament in Petropolis! Looking at the history of chess competitions, I have to conclude that Mecking's successes were exceptional. I consider the Brazilian player's talent to be comparable with that of the brilliant individuals Mikhail Tal and Magnus Carlsen.

In the world championship qualifying series I had to play a match with Mecking. The winner was to be the first to win three games, not counting draws, with a maximum of 16 games. The match took place in the city of Augusta, in the State of Georgia, in January 1974. The youngster prepared excellently for the match. He found and studied 1200 of my games. He took as his helper a subtle expert on the endgame - Ulf Andersson. A serious battle was in prospect. It would appear that the youngster slightly overrated his chances. He pressed with both White and with Black, but he lacked skill in analysing adjourned positions and he was the first to lose a game (the 5th). But the main battle, a fiercely-contested one, occurred in the central game of the match - the 7th.

Kortschnoi - Mecking,Augusta 1974,

1.Nf3 d5 2.g3 c5 3.Bg2 Nc6 4.d4 e6 5.0-0 cxd4 6.Nxd4 Bc5 7.Nb3 Bb6 8.c4 Nf6 9.cxd5 Nxd5 10.Na3 0-0 11.Nc4 Bc7 12.Ne3 Qe7 13.Nxd5 exd5 14.Be3 Rd8 15.Qd2 Bg4 16.Rfe1 a5 17.Bg5 f6 18.Bf4 Bb6 19.Qd1 a4 20.Nc1 Kh8 21.Nd3 Ne5 22.a3 Nc6 23.Kf1 Qe6 24.Rc1 Qf5 25.f3 Bh3 26.b4 axb3 27.Qxb3 Ba5 28.Red1 Bxg2+ 29.Kxg2 Qe6 30.e4 Nd4 31.Qxb7 dxe4 32.Qxe4 Qxe4 33.fxe4 Ne2 34.Rc4 Nc3 35.Rd2 Nxe4 36.Rdc2 Nxg3 37.Nc5 Nh5 38.Be3 Re8 39.Kf3 Bb6 40.a4 g6 41.Bf2 Re7 42.Rb2 Bd8 43.Rb7 Kg8 44.Nd7 f5 45.Rb8 Rxb8 46.Nxb8 Bc7 47.Nc6 Re8 48.a5 Bxh2 49.a6 Kf7 50.a7 Ra8 51.Rd4 g5 52.Rd8 Rxa7 53.Bxa7 g4+ 54.Kg2 Bf4 55.Rd7+ Kg6 56.Bd4 h6 57.Rd5 Bg5 58.Ne5+ Kh7 59.Rd7+ Kg8 60.Nf7 Nf4+ 61.Kh2 Ne2 62.Nxg5 hxg5 63.Be5 1-0.

One of my favourite games in this book is his 1962 fight against Tal:

Korchnoi, Victor - Tal, Mikhail [A62] USSR-ch30,Yerevan,1962

1.d4 Nf6 2.c4 c5 3.d5 e6 4.Nc3 exd5 5.cxd5 d6 6.Nf3 g6 7.g3 Bg7 8.Bg2 0-0 9.0-0 Na6 10.h3 Nc7 11.e4 Nd7 12.Re1 Ne8 13.Bg5 Bf6 14.Be3 Rb8 15.a4 a6 16.Bf1 Qe7 17.Nd2 Nc7 18.f4 b5 19.e5 dxe5 20.Nde4 Qd8 21.Nxf6+ Nxf6 22.d6 Ne6 23.fxe5 b4 24.Nd5 Nxd5 25.Qxd5 Bb7 26.Qd2 Qd7 27.Kh2 b3 28.Rac1 Qxa4 29.Bc4 Bc8 30.Rf1 Rb4 31.Bxe6 Bxe6 32.Bh6 Re8 33.Qg5 Re4 34.Rf2 f5 35.Qf6 Qd7 36.Rxc5 Rc4 37.Rxc4 Bxc4 38.Rd2 Be6 39.Rd1 Qa7 40.Rd2 Qd7 41.Rd1 Qa7 42.Rd4 Qd7 43.g4 a5 44.Kg3 Rb8 45.Kh4 Qf7 46.Kg5 fxg4 47.hxg4 Bd7 48.Rc4 a4 49.Rc7 a3 50.Rxd7 Qxd7 51.e6 Qa7 52.Qe5 axb2 53.e7 Kf7 54.d7 1-0.

Korchnoi gives the move 31.Bxe6! but in the 'Mammoth book of the Greatest chess games' by Burgess,Nunn and Emms a question mark!

31.Bxe6 gives black a chance to get back in the game by reviving his inactive pieces.Taimanov gives 31.Qd3 Bd7 32.Bh6, when it is unlikely that black will survive for too long.

But Korchnoi explains as only that 29 ... Bc8?! is the decisive mistake: 'This move, like the previous one, was made quickly by my opponent, without thinking.'

Conclusion: A classical masterpiece that belongs in every chess library! With kind permission

John Elburg, www.chessbooks.nl




Preis: 
 
Artikelnummer:
LXKORMBKAJS
 
Kategorie:
PfeilPartiensammlungen
  PfeilBiographien
 
Sprache:
Deutsch
 
Verlag:
PfeilOlms
 
ISBN-10:
 
ISBN-13:
9783283010188
 
Breite: 
17,0 cm
 
Höhe: 
24,0 cm
 
Gewicht: 
1,100 kg
 
Dieses Bild zeigt Meine besten Kämpfe (signiertes Exemplar): vergriffen, Hersteller: Olms, Preis: 19.95 €
432 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2011.
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